2026: Das erste Jahr der Serienproduktion für transparente Fahrzeugdisplays und die offizielle Umsetzung der Ganzglas-Interaktionslösung
Cui Dongshu, Generalsekretär des Nationalen Verbandes für Marktinformationen im Pkw-Sektor, erklärte kürzlich in einem Interview mit China Electronics News: „Die Entwicklung von Fahrzeugdisplays hin zu supergroßen integrierten Bildschirmen, Panoramabildschirmen, AR-HUDs und flexiblen, unregelmäßig geformten Displays steht im Fokus. Dabei liegt der Fokus auf Displays mit ultrahoher Auflösung, geringem Blaulichtanteil und hoher Anpassungsfähigkeit an die Fahrzeugumgebung. Gleichzeitig wird die Interaktion minimalistischer gestaltet und die KI-Verknüpfung zwischen Fahrzeug und Maschine optimiert.“ Diese Aussagen geben die Richtung für die technische Roadmap der Fahrzeugdisplay-Industrie bis 2026 vor.
Auf der diesjährigen Automesse in Peking fiel auf, dass Schiebedächer, Seitenscheiben und die hintere Trennscheibe der Fahrzeuge in hochauflösende Touchscreens verwandelt wurden; Navigationspfeile sind direkt auf die Fahrbahn in der Frontscheibe projiziert; und das Dachfenster passt seine Helligkeit automatisch der Sonneneinstrahlung an – keine bloße Show eines Konzeptfahrzeugs, sondern eine serienreife Lösung, die bereits an mehrere OEMs vergeben wurde und in Kürze in großen Stückzahlen ausgeliefert wird. Man kann sagen, dass die Fahrzeugdisplays ihre dritte Revolution erleben.
Verschiebung der Wettbewerbslogik: Vom Wettbewerb um Größe zum Wettbewerb um Form
In den letzten fünf Jahren haben Fahrzeugdisplays zwei rasante Entwicklungsphasen durchlaufen: vom zentralen Kontrollbildschirm über den Dual-Screen bis hin zum integrierten Drei-Bildschirm-System. Der Größenwettbewerb war einst das wichtigste Verkaufsargument der Automobilhersteller. Doch seitdem 15,6-Zoll- oder gar 17-Zoll-Bildschirme zur Standardausstattung von Fahrzeugen der 200.000-Yuan-Klasse geworden sind, schwindet der Nutzen einer bloßen Vergrößerung zusehends.
Cui Dongshu ist der Ansicht, dass die Wettbewerbslogik von In-Car-Displays einen grundlegenden Wandel durchlaufen hat. Die vier Wege von Transparente AnzeigeAR-HUD, flexible Schiebefunktionen und KI-gestützte Multi-Screen-Interaktion lösen den Größenwettbewerb ab und setzen neue technologische Maßstäbe. Dahinter steht die tiefgreifende Entwicklung des intelligenten Cockpits: vom reinen Informationsfenster zum szenenbasierten Interaktionszentrum. Das Display ist nicht länger nur eine Anzeige, sondern eine interaktive Schnittstelle, die eng mit der Fahrzeugumgebung und den Nutzerszenarien verknüpft ist.
Drei technologische Wege werden gleichzeitig beschritten: Transparente Interaktion nähert sich dem Vorabend der Massenproduktion.
1Route Eins: Elektrochromes Oberlicht – Vom dimmbaren Glas zur intelligenten Lichtumgebung
BOEs bahnbrechende Entwicklung im Bereich der elektrochromen Technologie hat die Entwicklung von Dachfenstern revolutioniert: Sie lassen nicht nur Licht durch, sondern sind zu intelligenten Lichtschranken geworden. Der intelligente, dimmbare Dachfenstervorhang nutzt die PDLC-Technologie und ermöglicht eine stufenlose Anpassung der Lichtdurchlässigkeit von 10 % bis 80 % mit einer Reaktionszeit von unter 0,5 Sekunden. Er kommt beispielsweise im Ideal L9 zum Einsatz und wird in Serie für Fahrzeuge gefertigt.
Entscheidender ist jedoch die Integration von KI-Funktionen. Dieses System passt die Lichtdurchlässigkeit automatisch an die äußere Lichtintensität und den jeweiligen Innenraummodus (Arbeit, Freizeit, Unterhaltung, Erholung) an und wertet so die passive Beschattung zu einem aktiven Lichtmanagement auf. Bei starker Sonneneinstrahlung verdampft das Glas automatisch zur Wärmedämmung und wird nachts per Knopfdruck transparent, um den Sternenhimmel zu genießen. Das Glas ist somit keine statische Barriere mehr, sondern eine intelligente Schnittstelle mit Wahrnehmungs- und Entscheidungsfähigkeiten.
2Route 2: Glasbasierte Mikro-LEDs – Die ultimative Lösung für transparente Displays
Wenn das elektrochrome Oberlicht das Lichtproblem löst, dann Mikro-LEDs behandelt das Problem der Darstellung.
Während elektrochrome Dachfenster das Lichtproblem lösen, bietet Micro-LED-Technologie eine Lösung für die Displaydarstellung. Der 49,6 Zoll große, glasbasierte Micro-LED-Panoramabildschirm „Tianxuan“, den Tianma Microelectronics auf der Beijing Auto Show 2026 vorstellte, ist zweifellos das herausragendste Displayprodukt der Messe. Der 1,25 Meter lange, C-förmige, ultrabreite und gebogene Bildschirm nutzt die Micro-LED-Direktdisplay-Technologie auf Glasbasis und zeichnet sich durch eine Lichtdurchlässigkeit von über 60 % und eine Spitzenhelligkeit von über 5000 Nits aus. Selbst bei hellem Licht bleibt er gut ablesbar. Entscheidender ist jedoch die Integration der Funktionen von Instrumententafel, Zentraleinheit, Beifahrersitzdisplay und Rückspiegel, wodurch eine nahtlose visuelle und informationsbasierte Darstellung im Fahrzeuginnenraum erreicht wird.
Der Grund, warum Micro-LED als die ultimative Lösung für transparente Displays gilt, liegt in seinen drei Kernvorteilen: hohe Helligkeit (weit über der von OLED), hohe Transparenz (das Glassubstrat hat eine Lichtdurchlässigkeit von über 60 %, während O₂LED transparent Displays weisen typischerweise eine Lichtdurchlässigkeit von weniger als 40 % und eine hohe Zuverlässigkeit auf (anorganisches Material, kein Einbrennrisiko und eine Lebensdauer, die organische Lösungen bei weitem übertrifft).
Im Bereich der Produktionslinienplanung investierte Tianma 2022 1,1 Milliarden Yuan in den Bau der ersten vollautomatisierten Großtransfer-Produktionslinie der Generation G3.5 in China. Ende 2024 war der gesamte Produktionsprozess abgeschlossen, und 2025 begann die Fertigung von Standard-Displaypanels in Kleinserien. 2026 führte Tianma die Produktionslinie der 8.6. Generation (TM19) für Fahrzeugdisplays sowie eine neue Produktionslinie für Displaymodule (TM20) ein. Auch die Micro-LED-Produktionslinie in Xiamen sieht Fahrzeugdisplays als wichtigen Anwendungsbereich.
Zhaochi Semiconductor hat inzwischen die kommerzielle Produktion von Micro-LED-Chips für die Automobilindustrie aufgenommen. Die Module der zweiten Generation der Sincen®-Serie von Sitan Technology werden voraussichtlich 2026/27 die Fahrzeugzertifizierung erhalten. Die koordinierte Weiterentwicklung der vor- und nachgelagerten Bereiche der Branche treibt die Entwicklung von Micro-LEDs von Labormustern hin zur Massenproduktion für Automobilanwendungen voran.
3Route 3: Photonentransparentes Display – Die gesamte Fahrzeugscheibe wird zum Bildschirm
Die von Photon Crystal Technology auf der Beijing Auto Show 2026 weltweit vorgestellte „Transparente interaktive Volldisplay-Lösung“ revolutioniert die Anwendung transparenter Displays und führt sie von einer punktuellen Innovation zu einer systematischen Integration. Basierend auf der eigens entwickelten nanoAR™-Photonen-Transparenzdisplay-Technologie vereint diese Lösung ein transparentes Display im Schiebedach, einen transparenten Touchscreen für die Trennwände und einen transparenten Touchscreen in den Seitenfenstern. Sie erreicht eine hohe Lichtdurchlässigkeit von über 85 % und ermöglicht die klare Darstellung von Bildern selbst bei starkem Lichteinfall. Die Lösung ist nach Automobilstandard und IATF 16949 zertifiziert und wurde bereits von mehreren Herstellern von Elektrofahrzeugen mit Sonderaufträgen ausgezeichnet.

Das bedeutet, dass Passagiere auf den Rücksitzen von Oberklassefahrzeugen künftig Filme durch das Dachfenster schauen, Informationen auf dem Seitenfenster abrufen und per Touchscreen auf dem Trennbildschirm interagieren können – Glas wird nicht mehr nur Glas sein, sondern zu einer intelligenten Interaktionsschnittstelle, einem mobilen Entertainment-Center und einem Tor zur Zukunft des Reisens. Photon Crystal Technology arbeitet bereits mit mehreren namhaften Automobilherstellern zusammen, und die entsprechenden Produkte werden direkt nach ihrer Premiere auf dieser Automobilmesse in die Serienproduktionsvorbereitung gehen.
2026: Warum ist es das Jahr der Massenproduktion?
Branchenkenner gehen davon aus, dass 2026 als Startjahr für die praktische Anwendung transparenter Fahrzeugdisplays gelten kann. Aktuell umfassen die in Serie gefertigten Lösungen hauptsächlich Panoramadächer und Trennwände im Fond. Transparente Displays für Seitenscheiben und Frontscheibe befinden sich noch in der Entwicklung.
Hinter diesem Urteil steht ein dreifaches Zusammenspiel von technologischer Reife, Kostenentwicklung und Marktnachfrage:
Technisch gesehen hat die Ausbeute bei der großflächigen Übertragung von Micro-LEDs 90 % überschritten, die Reaktionsgeschwindigkeit von elektrochromen Filmen hat den Millisekundenbereich erreicht und die Lichtdurchlässigkeit und Helligkeit von photonentransparenten Displays haben die kommerzielle Schwelle erreicht.
Hinsichtlich der Kosten hat sich die Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung in Fahrzeugen der 200.000er-Klasse weit verbreitet und dient als Referenz für die Kostenreduzierung durch Micro-LEDs. Branchenprognosen zufolge wird die Vorinstallationsrate von Mini-LEDs in chinesischen Fahrzeugen bis 2026 21–23 % erreichen. Nach weiteren Kostensenkungen im Jahr 2027 wird diese Funktion voraussichtlich auch bei gängigen Fahrzeugen der 150.000er-Klasse flächendeckend Standard sein.
Der Trend hin zu Multi-Screen-, HD- und szenariobasierten Designs in intelligenten Fahrzeugkabinen ist unumkehrbar. Laut Prognose von Omdia werden die weltweiten Auslieferungen von Fahrzeugdisplays im Jahr 2026 240 Millionen Einheiten übersteigen, und der Marktanteil von High-End-Displaytechnologien wird von 18 % im Jahr 2023 auf über 35 % steigen.
Der Standardisierungspfad im Jahr 2027
Aus Sicht des Branchenrhythmus werden wir von der zweiten Hälfte des Jahres 2026 bis 2027 folgende Trends beobachten:
Das elektrochrome Schiebedach wird als erstes in großem Umfang serienmäßig in Mittelklasse- bis Oberklasse-Fahrzeugen mit alternativen Antrieben ab einem Preis von über 250.000 Yuan verbaut werden, und die KI-gestützte Lichtsteuerung wird zu einem differenzierenden Verkaufsargument für den Innenraum.
Transparente Micro-LED-Displays werden in kleinen, vorinstallierten Versionen in Oberklassefahrzeugen ab einem Preis von 300.000 Yuan eingesetzt. Sie dienen hauptsächlich als transparente Displays im Armaturenbrett und in den Trennwänden der Fond-Entertainment-Systeme. Ab 2028 wird mit einer breiteren Verfügbarkeit in verschiedenen Preissegmenten gerechnet.
Das vollständig fahrzeugtransparente Interaktionssystem startet mit Oberklasse-Vans und Flaggschiff-Limousinen und wird schrittweise auf SUVs und Crossover-Modelle ausgeweitet. Glas als Bildschirm wird zum Standarddesign für den intelligenten Innenraum.
Die vier von Cui Dongshu prognostizierten technologischen Entwicklungsrichtungen – supergroße Displays, Panorama-Bildschirme, AR-HUD und flexible, unregelmäßig geformte Bildschirme – entwickeln sich nicht unabhängig voneinander, sondern integrieren sich zu einem einheitlichen, umfassenden Display-Ökosystem. Wenn AR-HUD Informationen auf die Frontscheibe projiziert, transparente Instrumente die herkömmlichen zentralen Bedienelemente ersetzen und die Seitenscheiben zur Interaktionsschnittstelle für die Fondpassagiere werden, bewegen sich Fahrzeugdisplays von lokaler Optimierung hin zu globaler Rekonfiguration.
Im Jahr 2026 werden wir nicht nur die Markteinführung einiger neuer Produkte erleben, sondern den Beginn einer neuen Ära: Autoglas hat sich endlich von seinen bisherigen transparenten, aber emotionslosen physikalischen Beschränkungen befreit und ist zu einer lebendigen Schnittstelle mit Temperaturanzeige, Intelligenz und Interaktivität geworden. Von Bildschirmen im Fahrzeuginneren bis hin zum Glas selbst als Bildschirm – die dritte Revolution im Bereich der Fahrzeugdisplays hat bereits begonnen.












